Nachdem sie die Alpen verlassen hat, ändert die Rhône abrupt ihren Lauf und fließt direkt nach Süden zum Mittelmeer. Genau an diesem strategischen Punkt, an dem sich auch die Metropole Lyon befindet, verlässt man den dunstigen, kalten und grauen Norden und fährt in Richtung Sonne, warmer Landluft und einer ganzen Reihe ebenso sonniger Weinberge. Dieser symbolische Weg gen Süden erscheint wie von der Natur vorgegeben. Denn der Fluss folgt einem engen Tal zwischen den Alpen und dem Zentralmassiv, das auch für die Schienen des TGV und die Autobahn genutzt wird und den Scharen von urlaubs- und sonnensüchtigen Reisenden als Route in den Süden bekannt sein dürfte. Im nördlichen Teil sind noch einige Einflüsse des kontinentalen Klimas zu spüren, wohingegen das Weinbaugebiet Rhône zur großen Freude aller Liebhaber guter Weine vollkommen der Mittelmeersonne und dem Mistral ausgesetzt ist.
Fährt man entlang der Rhône von Lyon bis Arles, so lässt man in Frankreich auf diesen 250 Kilometern die Arbeit hinter sich und fährt der Sonne entgegen, wobei die damit verbundene Klimaveränderung drastischer nicht sein könnte. Das mediterrane Klima bleibt im Wesentlichen auf den südlichen Teil begrenzt, wo die Sommer warm und sonnig sind und der legendäre Mistral die Wolken vom Himmel fegt. Dieser sorgt zudem für saubere Weinreben und verbessert den Gesundheitszustand der Trauben. Die Folge sind fleischige, runde Weine mit einem hohen Alkoholgehalt. Im Norden in Richtung Côte Rôtie und Condrieu ist das Klima kontinentaler geprägt, unterliegt jedoch auch mediterranen Einflüssen. Die Winter sind kalt und die Sommer warm. Die Weine weisen hier eine stärkere Säure und Lagerfähigkeit sowie markigere Tannine auf.
Das Rhônetal wird durch reizvolle Orte und außergewöhnlich schöne Naturgebiete geprägt. Da gibt es beispielsweise Avignon oder Orange mit ihrer Geschichte, ihren Festivals und ihren quirligen, belebten Straßen. Ebenso beliebt sind jedoch auch die duftenden Wiesen und Felder rund um den Mont Ventoux, die mediterrane Heidelandschaft im Tricastin sowie die wunderschönen Ortschaften Vaison-la-Romaine oder Châteauneuf du Pape. Aber auch die versteckten Abhänge des Lubéron, das ockerfarbene Land im Roussillon und die wilden, verführerischen Schluchten der Ardèche haben ihren Reiz. Die Bäume sind in diesen unter dem Einfluss des Mistral stehenden Gebieten in Windrichtung geneigt, Zypressen geben der Landschaft einen sanften, wohltuenden Charakter, der schönes Wetter und Urlaub verheißt.
Da die Loire quer durch Frankreich fließt, wäre es unsinnig, von einer gewissen Homogenität der Böden in den verschiedenen Weinbaugebieten an ihren Ufern auszugehen. Am westlichen Rand des Erzeugungsgebiets gedeihen die Weine aus Nantes aufgrund der Nähe zum uralten armorikanischen Massiv auf Granit-, Schiefer- und Gneisböden. Im Anjou setzt sich ein Teil der Böden aus denselben Elementen zusammen, während der andere Teil weiter östlich Kalkböden aufweist, da man sich hier schon am Rande des Pariser Beckens befindet. In der Touraine dagegen sind die Böden noch vielfältiger mit Schwemmland-, lehmigen, lehmig-kalkhaltigen und sandigen Böden und in Richtung Sancerre schließlich herrschen kalkhaltige Böden mit Sand- oder Kiesterrassen vor. Diese Bodenvielfalt erklärt auch die Vielfalt der Rebsorten im Loiretal, die sich jeweils an den Boden und das Terroir, auf dem sie angebaut werden, anpassen.