Schon seit der griechischen Antike trägt Korsika den Beinamen Insel der Schönheit. Beeindruckend schöne Landschaften, bis in den Mai hinein verschneite, zerklüftete Bergspitzen, türkisblaues Wasser und weiße Sandstrände, unzählige kleine, an schwer passierbaren Steilhängen liegende Bergdörfer – Korsika gibt sich wie ein magisches Schauspiel, das nach jeder Kurve neu inszeniert wird. Die Insel bietet mit der gleichen Niederschlagsmenge wie Paris, aber ihrer Lage inmitten des Mittelmeers ideale Bedingungen für den Weinanbau, der hier erst vor kurzem wiederentdeckt wurde. Korsika gehört erst seit 1769 aufgrund eines Handelsgeschäfts mit den Genuesen zu Frankreich, und so ist in der korsischen Seele die Neigung hin zu einer starken, eigenen Identität tief verwurzelt. Hierzu gehört auch der Wein, der aus einzigartigen und auf dem Festland nur selten zu findenden Rebsorten gekeltert wird. Das neuerliche Interesse an einer Wiederentdeckung der Weine von der Insel der Schönheit ist auf diese Besonderheiten zurückzuführen.
Aufgrund ihrer zentralen Lage im Mittelmeer zwischen Frankreich und Italien unterliegt die Insel Korsika einem ganz außergewöhnlichen Klima. An mehr als 300 Tagen im Jahr scheint die Sonne - zumindest an den Küsten - und die Winter fallen mild aus. Hier steht der Traubenreifung nichts im Wege. Korsika ist vom Mittelmeer umgeben, so dass die Nächte aufgrund der nächtlichen Meeresbrise eher kühl sind. Unter diesen Bedingungen reifen Weine, die eine gute Ausgewogenheit zwischen Säure und Öligkeit aufweisen. Interessanterweise befinden sich sämtliche Weinbaulagen an der Küste.
Auf Korsika ist der Inselcharakter greifbar. Das Leben ist an die Schönheit der Insel, ihrer Dörfer und kurvenreichen Sträßchen angepasst. Die Natur gibt sich schön und schroff zugleich und zwingt den Korsen einen Lebensrhythmus auf, der sich wohltuend vom hektischen Getümmel der großen Metropolen abhebt. Auch die Küche ist von der Insellage geprägt. Kastanienmehl, Esel- oder Wildschweinwurst, Brocciu (Frischkäse aus Schafsmilch) und Honig gehören zu den typischen Spezialitäten. Auch wenn die Korsen als störrisches und unbeugsames Volk gelten, pflegen sie eine sehr südländische Gastfreundschaft. Wein spielt dabei eine wichtige Rolle, insbesondere seit den 50er Jahren, als der Weinanbau zu großer Dynamik zurückfand.
Die korsischen Terroirs verteilen sich auf einer Gesamtfläche von nur 10.000 Hektar über die gesamte Insel entlang der Küste, immer dort wo es gelungen ist, die korsische Macchia zurückzudrängen und Wein anzubauen. Dieser wurde bereits im 16. Jahrhundert von den Genuesen eingeführt. Die qualitative Entwicklung des Weins begann jedoch erst nach 1957, als die besten Böden entdeckt wurden. So gibt es neben einer regionalen Appellation zwei Gemeindeappellationen, die den Qualitätsfortschritt der Weine bestätigen. Am weitesten verbreitet sind Granit- oder Schieferböden mit dunkler, magerer Erde. Kalkböden dagegen finden sich im Norden, in der Nähe von Patrimonio und im äußersten Süden.